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Verrechnung von Gesellschafteraufwand und Managementleistungen

Adrian Kirsch, MOORE STEPHENS Treuhand Kurpfalz GmbH

Die Internationalisierung und die hohe Mobilität von Waren, Kapital und Arbeit hat dazu geführt, dass in international tätigen Unternehmensgruppen unterschiedliche Dienstleistungen von der inländischen Muttergesellschaft für die jeweiligen Tochtergesellschaften oder durch gruppeninterne Managementgesellschaften erbracht werden.

Diese Unternehmensgruppen weisen oftmals eine Unterteilung nach betrieblichen Funktionen wie Marketing oder Produktion auf, statt sich an Landesgrenzen oder einem rechtlichen Unternehmensaufbau zu orientieren. Bestimmte Funktionen werden aus den operativen Gesellschaften in einen Zentralbereich ausgelagert (gruppeninternes Outsourcing). Solche „Headquarter“-Gesellschaften haben beispielsweise folgende Aufgaben:

  • Überwachung der Geschäftsleitung der Tochtergesellschaften im Interesse der Konzernobergesellschaft;
  • Koordination von Forschung und Entwicklung und Know-how-Transfer;
  • Beratungstätigkeiten, z.B. in der Einkaufs-, Personal- und Finanzplanung sowie technische oder rechtliche Assistenz;
  • Aufgaben innerhalb des Rechnungs- und Berichtswesens, des Controllings und der internen Revision.

Regelmäßig stehen bei derartigen Kontroll- und Koordinierungsfunktionen weniger der Steueraspekt und die Auslagerung gewinnträchtiger Tätigkeiten ins Ausland im Vordergrund, sondern gewisse Kosten- und Synergieeffekte.

Bezüglich einer Verrechenbarkeit der oben genannten Leistungen ist eine Trennung zwischen den einzelnen Dienstleistungen vorzunehmen. Diese Aufteilung basiert auf der Trennung zwischen Leistungen, welche der Wahrnehmung einer Gesellschafterfunktion dienen und denen, die im Interesse bzw. zum Vorteil anderer Konzernunternehmen erbracht werden.

Soweit die Managementleistungen und sonstigen Aktivitäten den primären Interessen des Gesellschafters dienen, liegen Gesellschafteraktivitäten vor, deren Kosten grundsätzlich vom Gesellschafter selbst zu tragen sind. Diese Leistungen haben ihren Rechtsgrund in den gesellschaftsrechtlichen Beziehungen und können grundsätzlich nicht an Tochtergesellschaften verrechnet werden. Zu ihnen gehören beispielsweise der sog. Rückhalt im Konzern (Vorteile, welche sich allein aus der rechtlichen, finanziellen und organisatorischen Eingliederung in den Konzern ergeben, einschließlich des Rechts, den Konzernnamen zu führen), die Überwachung der Geschäftsleitung der Tochtergesellschaften oder Aufgaben des Konzernrechnungs- und Konzernberichtswesens.

Auf der anderen Seite sind Koordinations- und Beratungsleistungen in aller Regel mit den Adressaten dieser Dienstleistung verrechenbar.

Soweit eine gruppeninterne Dienstleistungsgesellschaft oben genannte Tätigkeiten ausübt, ist auch eine getrennte Aufteilung vorzunehmen. Übt diese Dienstleistungsgesellschaft Tätigkeiten im Interesse der Konzernmutter aus, welche sich aus deren gesellschaftsrechtlichen Stellung ergeben, dann ist eine Weiterbelastung an die Konzernmutter vorzunehmen. Übt die Dienstleistungsgesellschaft Koordinations- und Beratungsleistungen für andere Gruppengesellschaften aus, so sind diese in aller Regel mit den Adressaten dieser Dienstleistung verrechenbar.

In beiden Fällen ist als Verrechnungspreismethode grundsätzlich die Kostenaufschlagmethode anwendbar. Basierend auf den entstandenen Kosten kann beispielhaft ein einzelfallbezogener Kostenaufschlag zwischen 5% und 10% auf die entstandenen Kosten gewählt werden, welcher das Funktions- und Risikoprofil berücksichtigt. Übt eine gruppeninterne Dienstleistungsgesellschaft auch Tätigkeiten für die Konzernmutter aus, so kann diese auch für ihre Leistungen ggü. der Konzernmutter einen Kostenaufschlag verlangen.

 

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